Qigong als Methode

Qigong steht für eine hochentwickelte Übungsmethode aus dem alten China, um die Bewegung und Verteilung von Qi im menschlichen Körper zu fördern. Im Zentrum der Übungspraxis stehen dabei die bewusste Aufmerksamkeit, Atmung und die Bewegung des Körpers, wobei grundsätzlich zwischen Übungen mit äußerer Körperbewegung und Übungen ohne äußere Körperbewegung („Stilles Qigong“) unterschieden wird. Weiterhin hat sich eine große Vielfalt von Übungssystemen und Übungen in China entwickelt; neben den religiösen Schulen des Daoismus, Konfuzianismus und Buddhismus mit entsprechender philosophischer Ausrichtung werden im wesentlichen die Anwendungsbereiche Lebens- und Gesundheitspflege, medizinisches Qigong und Kampfkunst unterschieden.

 

Qigong entwickelt sich entlang der zentralen Prinzipien von Entspannung und Ruhe für den Körper (Muskulatur/Haltung), die Atmung sowie die bewusste Aufmerksamkeit bei der Übungsdurchführung. Auf den weiteren Übungsstufen mit der verfeinerten Wahrnehmung der eigenen Atmung, der äußeren wie inneren Körperbewegungen besonders durch die verbesserte Funktion von Nerven- und Kreislaufsystem gelingt es zunehmend, die Verbindung von Bewusstsein und Qi zu spüren. Je nach Übungskonzept und Zielsetzung gibt es viele verschiedene Techniken für Atmung, Bewegung und die Übung des Bewusstseins zur Kultivierung von eigenem Qi.

 

 

Übungen zur Pflege von Leber­ und Gallenblase, SonderseminarfürQigong,Walluf20

Übungen zur Pflege von Leber­ und Gallenblase, Sonderseminar für Qigong, Walluf 2008

Atmung und Aufmerksamkeit stehen im Fokus des stillen Qigong („Meditation“); obwohl stilles Qigong eine wichtige Schlüsselfunktion für das Verständnis dieser Methode auf allen Übungsstufen einnimmt, empfehlen viele Meister, Wissenschaftler und Experten die Übung des „bewegten“ Qigong mit Beteiligung des äußeren Körpers, um hiermit eine umfassende Regulation des „Lebenssystems“ Mensch zu ermöglichen. Gleichzeitig sind besonders Menschen aus den westlichen Kulturen mehr bewegungsorientiert und finden oftmals damit einen leichteren Zugang.

Neben den gleichmäßigen, fließenden, drehenden oder dehnenden Bewegungen werden zudem Massagetechniken und Speichelübungen eingesetzt, um die Zirkulation und Verteilung von Qi gezielt zu beeinflussen.

Besonders die Naturphilosophie des Daoismus sieht die gesunde Funktion der inneren Organe, der Nerven- und Kreislaufsysteme, die Elastizität der Muskulatur, die Beweglichkeit der Körpergelenke und die Stabilität von Knochen und Sehnen als zentrale Voraussetzungen, um die natürlichen Fähigkeiten von Körper und Geist auf ein hohes zu entwickeln.

Somit verfügten die Gelehrten und Meister des Qigong über ein umfassendes medizinisches Wissen, gleichzeitig beschäftigten sich berühmte Ärzte mit dieser Methode; ein Hinweis auf die Nähe von Qigong zur Chinesischen Medizin in Vergangenheit und Gegenwart. Es ist jedoch sehr wichtig, Qigong nicht nur auf den medizinisch-therapeutischen Anwendungsbereich zu reduzieren, denn für die Begründer und Forscher dieser traditionellen Kunst war die Persönlichkeitsentwicklung in der „Schule des Lebens“ ebenso hochgestellt wie die Gesundheit von Körper und Geist.