Qigong und Gesundheit
Seit Mitte des letzten Jahrhunderts wurden in China und später auch im Ausland zunehmend wissenschaftliche Untersuchungen und Forschung zur gesundheitlichen Wirkung von Qigong betrieben.
Im Jahre 1955 gab es die ersten Studien in China zur Wirkung von Qigong bei Erkrankungen; bei einer klinischen Studie an 1000 Patienten mit Magengeschwüren von 1954-1959 zeigte sich in über 95 % der Fälle eine rasche Rückbildung mit dem Einsatz von Qigong (Beijing Review, aus Heise 1999).
1959 fand die 1. Nationale Konferenz für Qigong in Beidaihe unter der Leitung von Liu Guizhen statt, sie war gleichzeitig eine Initialzündung für die Gründung von Abteilungen für Qigong in Shanghai, Tianjin und Beijing.
1970 wurde unter der Leitung von Frau Prof. Feng Lida die Methode des „waiqi“ (Qi durch die Hände aussenden) bei Gebärmutterhals- und Magenkrebserkrankungen eingesetzt. Zunächst waren die Krebszellen unter waiqi angeschwollen, dann lösten sich die infizierten Zellverbände auf und starben ab. Dabei wurden 60 Experimente mit Qigong-Meistern durchgeführt: Nach der 1. Behandlung waren 30,7 % der Krebszellen im Gebärmutterhals und 25 % der Magenkrebszellen abgestorben.
1988 fand die „1. World Conference for Academic Exchange of Medical Qigong“ in Beijing statt. In über 100 Vorträgen aus China, Japan, Australien, Kanada, USA oder Finnland ergaben sich Berichte über die Wirkung von Qigong z.B. bei Herz-Kreislauf-, Atemwegs-, Krebs- oder Psychosomatischen Erkrankungen.

Daoyin Yangsheng Gong – Übung aus dem gesundheitsschützenden Qigong
In der Zeit von 1984 – 2000 weisen verschiedene Untersuchungen u.a. in Deutschland auf die Wirkung von Qigong z.B. bei Bluthochdruck (Werner, 1984), Immunschwäche (Hoon, Korea 1995), Lernschwäche bei Kindern (Rohrmoser 1997), Asthma bronchiale (Reuther 1998) oder Diabetes mellitus (Iwao, Japan 1999) hin. Der deutsche Kollege und Lehrer Horst Hofmann (1996 + 2000) berichtet über Erfolge beim Einsatz im Schulalltag mit verbesserter Lernfähigkeit, weniger Körperspannung und verbessertem Notenschnitt.
Der bekannte Arzt und Meister Jiao Guorui beschreibt 1992 die Wirkungsweise von Qigong als eine natürliche Zusammenarbeit zwischen „energetischer“ Information und körperlicher Funktion: „…z.B. Atmung, Verdauung, Blutkreislauf sowie alle physischen und psychischen Aktivitäten….sind biologische Prozesse, die durch die körperinterne Transformation von Qi bewirkt werden; durch die Transformation können biologische Prozesse ablaufen, die „Altes abschaffen und Neues an seine Stelle setzen“.
In diesem Zusammenhang können wir alle Prozesse und Effekte auf die körperliche und geistige Gesundheit des Menschen verstehen: Qigong als wertvolle Übungsmethode fördert eine tiefgreifende Regulation auf den Ebenen Körper, Geist und Seele. Von der Gesundheitsvorsorge („Prävention“) über die Behandlung von verschiedenen Erkrankungen und Beschwerden bis zur möglichen Heilung reicht das Angebot dieser alten chinesischen Kunst.
Gleichzeitig haben wir Menschen die Möglichkeit, unsere geistigen Fähigkeiten weiter zu entwickeln; neben den gesundheitlichen Aspekten wird der Entwicklung der Persönlichkeit mit der Verbindung zu Moral und Ethik eine hohe Bedeutung zugeteilt.
Wiederum Jiao Guorui beschreibt die Wirkung des Qigong in sehr verständlicher Form, indem man „durch entsprechende Körperhaltung, Bewegung, Atmung und dem Bewahren der Aufmerksamkeit (Geist) die Transformation von Qi verstärkt“.
Qigong und Traditionelle Chinesische Medizin
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) besteht mindestens seit dem 2. Jahrhundert v.Chr. mit dem „Inneren Klassiker des Gelben Fürsten“ als älteste medizinische Buchdokumentation. Die Chinesische Medizin betrachtet den Menschen als Teil des ihn umgebenden Lebensraumes bzw. der ihn umgebenden sowie beeinflussenden Natur („Mikrokosmos und Makrokosmos“).
Die Theorie von Yin und Yang beschreibt hierbei alle Beziehungsmuster und Veränderungen der menschlichen Lebensprozesse sowie aller Erscheinungsformen in der Natur. Gleichzeitig stehen diese in wechselseitiger Beziehung stehenden Begriffe für eine entsprechende Denkweise, die auf der Naturphilosophie des Daoismus aus dem alten China begründet ist: Alle Dinge werden als Teile des Ganzen gesehen, kein Phänomen wird in seiner Beziehung zu anderen Phänomenen als unabhängig definiert. Schließlich beinhalten Yin und Yang jeweils in sich selbst die Möglichkeiten der Polarität und der Veränderung; die bildliche Darstellung dieser Wechselbeziehungen zeigt sich im kreisförmigen „Taiji – Symbol“ mit den Farben Schwarz und Weiss.
Zudem von zentraler Bedeutung für die Chinesische Medizin ist das Konzept „Qi“, wobei es für diesen komplexen Begriff im Prinzip keine ausreichende Übersetzung gibt. Als vereinfachte Variante gilt „Lebensenergie“ oder „Bioenergie“, die in allen organischen und anorganischen Lebensformen der natürlichen Welt enthalten ist und diese organisiert. Im menschlichen Körper bewegt sich Qi auf natürliche Weise nach verschiedenen Mustern; z.B. steht das Qi der inneren Organe miteinander in Verbindung, zirkuliert in den Leitbahnen, ist über die Akupunkturpunkte erreichbar und bildet eine schützende Schicht im Bereich der Körperoberfläche. Bei vorliegenden Beschwerden und Erkrankungen durch äußere Einflüsse wie z.B. Wind, Kälte, Feuchtigkeit, Hitze, Fehlernährung oder innere Einflüsse wie die Emotionen Zorn, Trauer, Sorge oder Furcht werden die entsprechenden Störungsmuster von den Ärzten mit einer individuellen chinesischen Diagnose für die Patienten beschrieben. Alle Einflussfaktoren werden zugeordnet und ein Behandlungsplan erstellt, der die betroffenen Organe bzw. Funktionen des Organismus wieder in ein natürlich organisiertes Gleichgewicht bringen soll.
Die TCM arbeitet und funktioniert somit als ganzheitliches Modell mit den Bausteinen der Kräutertherapie, Akupunktur, Akupressur/Massage, Ernährung und Bewegung.