Taijiquan
Taijiquan beschreibt ein in sich geschlossenes System unter dem Dach der traditionellen chinesischen Kampfkünste des Wushu. Taijiquan wird deshalb als „innere“ Kampfkunst bezeichnet, weil sich die Handlungen aller Körperteile in Übung und Anwendung mit der Bewegung von Qi möglichst optimal koordinieren sollen. Wiederum im Vordergrund steht die Verbindung der bewussten Aufmerksamkeit („Geist“) mit Qi, um gemeinsam mit der Atmung alle Bewegungen des Körpers zu leiten und die verschiedenen Kraftformen des Taijiquan in der Form, dem Partnertraining („Tuishou“/Schiebende Hände), den Waffenübungen (z.B. Schwert, Säbel, Stock, Fächer) zu üben und aufzubauen.
Taijiquan ist aus den traditionellen chinesischen Kampfkünsten entstanden, die eine Geschichte von mehreren tausend Jahren aufweisen. Diese Bewegungs- und Kampfkunst kombiniert Übungsprinzipien der Kampfkünste, Gesundheits- und Atemübungen in einem Bewegungssystem. Aus dieser Verbindung bezieht das Taijiquan seine ungebrochene Faszination für viele Menschen sowie die weltweite Verbreitung bis in die heutige Zeit. Taijiquan ist wie die chinesische Medizin und Qigong wesentlich von der daoistischen Philosophie geprägt und steht dabei in enger Beziehung zur Theorie von Yin und Yang. Zum Taijiquan gehört eine eigene „Taiji“- Theorie, die von verschiedenen berühmten Meistern seit seiner Entwicklung vor ca. 400 Jahren durch eigene Forschung in den klassischen Schriften verfasst wurden. Neben den Legenden, Erzählungen und Anekdoten zur Entstehung des Taijiquan ist besonders die Entwicklung durch die Familie Chen aus der Provinz Henan geschichtlich nachvollziehbar. Hier wird immer wieder der Name Chen Wangting genannt, der die oben beschriebenen Elemente in diese Bewegungskunst zusammenfügte; daraus wird der wesentliche Einfluss der Familie Chen abgeleitet.
Die Weitergabe dieses Wissens erfolgte zunächst nur über die folgenden Familiengenerationen; mit der Aufnahme des Schülers Yang Luchan öffnete sich der „geheime“ Zirkel und die Verbreitung über das ganze Land und die ganze Welt hatte damit begonnen.
Die größten und berühmtesten Schulen des Taijiquan sind die Stile der Familien Chen, Yang, Wu, Wu und Sun mit jeweils eigenem Charakter in der Ausführung der Bewegungen.
Taijiquan wird heute von vielen Menschen auf der ganzen Welt praktiziert; seine grosse Anziehungskraft ist wohl auch damit zu erklären, dass man mit dieser gesunden Kampfkunst die traditionelle chinesische Kultur studieren und verstehen kann. Neben den verschiedenen Faust- und Waffenformen der klassischen Stile wurden verkürzte und vereinfachte Formen entwickelt, die ursprünglich zur Förderung der chinesischen Volksgesundheit angedacht waren (Mao Zedong, 1956). Dabei hatte die sogenannte „24er Peking-Form“ ebenso zur Verbreitung im Ausland beigetragen wie im Ursprungsland China. Weiterhin wurden moderne Wettkampfformen zusammengestellt, um einheitliche Bewertungen für Vergleiche bei nationalen und internationalen Meisterschaften durchführen zu können.
Taijiquan bietet schließlich mit seinem intelligenten Bewegungskonzept auf dem Fundament der hochentwickelten Theorie und Philosophie vielfältige Möglichkeiten zur Förderung der körperlichen und geistigen Gesundheit sowie bei der Behandlung von Beschwerden und Erkrankungen.