Taijiquan und Gesundheit

Während der Übung befindet sich der Körper mit Haltung und Bewegung entspannt und ruhig sowie aufgerichtet in der senkrechten Achse. Dieser Ausgleich von Muskelspannung bedeutet weniger Energieverbrauch und gleichzeitig verbesserte Zirkulation und Verteilung von Qi und Blut.

 

Qian Kun Taijiquan – Stehende Form

Qian Kun Taijiquan – Stehende Form

Ruhige, fliessende, runde, drehende und dehnende Bewegungen fördern die Bewegung von Qi und massieren den Körper aussen und innen bis in die tiefsten Schichten. Die Bewegungen erzeugen die Massage aller Körpergelenke, der Wirbelsäule und Muskulatur, des Bindegewebes und der inneren Organe.

Daraus resultiert eine verbesserte Versorgung und Funktion des Herz-Kreislauf- und Nervensystems mit z.B. Stoffwechsel, Verdauungs- und Immunsystem.

Die verbesserte Versorgung und Funktion des Gehirns mit zentralem (ZNS) und vegetativem (VNS) Nervensystem fördert besonders den Ausgleich oftmals vorliegender Stressbelastungen; d.h. die Erholungs- und Regulationsprozesse werden tiefgreifend unterstützt.

Durch die zunehmend verbesserte Haltung und Bewegung mit einer mehr ausgeglichenen Muskelarbeit ergibt sich die Ökonomisierung des Energie- bzw. Sauerstoffverbrauchs zugunsten der allgemeinen Leistungsfähigkeit. Eine bewusster ausgeführte Atmung bewirkt eine bessere Versorgung des Körpers mit Sauerstoff, gleichzeitig fördert eine verstärkte Bauchatmung z.B. den Stoffwechsel und die gesamte Energieversorgung mit Blut und Qi.

Im Zusammenhang mit der gesundheitlichen Wirkung des Taijiquan hatte sich 1988 ein interessanter Untersuchungsbericht des Chinesischen Wushu-Forschungsinstituts beim Internationalen Wushu Festival in Beijing ergeben (aus Metzger/Zhou,1995,S.35): Hier wurde über den Gesundheitszustand von Hochschulpersonal im Westen Beijings in den 70er- und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts berichtet. Die durchschnittliche Lebenserwartung war mit 58 Jahren um 10 Jahre niederiger als im Durchschnitt der restlichen Bevölkerung; die häufigste Todesursache waren Herz- und Gefäßverkalkungen bedingt durch falsche Ernährung, Übergewicht, Stress und Bewegungsmangel.

Bei der Untersuchung von 1983 – 1986 wurden als Indikatoren das EEG (Messung der bioelektrischen Aktivität der Nervenzellen, Gehirnströme), das EKG (Messung der elektrischen Spannungen durch Körper) und Blutfette verwendet.

Die Ergebnisse zeigten beim EEG ein deutliches Überwiegen der Alphawellen in den Taijiquan – Gruppen. Beim EKG waren eine vermehrte Blutversorgung und ein positiver Einfluss auf Herzschlag und die Blutfette sichtbar. Die Sollwerte wurden nicht oder nur wenig überschritten.

Das Gehirn der Übenden befand sich demnach während und nach der Aktivität in einem signifikanten Wachzustand, d.h. bezüglich der Wellenfrequenz des Gehirns überwiegten die Alphawellen. Hierdurch erfolgten der Abbau von pathologischen Stresshormonen und sinkende Blutfettwerte mit reduzierter Ablagerung von LDL an Gefässwänden (Arteriosklerose).

Taijiquan und seine Wirkungen auf das Gehirn

Taijiquan bewirkt ein gesundes und umfassendes Training des gesamten Bewegungsapparats Muskeln, Knochen und Gelenke. Die Prävention und Heilung von Krankheiten z.B. in den Bereichen Herz-Kreislauf-System, Gehirnfunktionen oder Stoffwechsel werden tiefgreifend unterstützt. Besonders die physiologischen und psychischen Effekte ermöglichen den Eintritt in den Wellenbereich der Alphawellen des Gehirns.

Alphawellen zeigen sich bei einer Gehirnwellenfrequenz mit 8-14 Schwingungen / Sec.; hier ist das Gehirn besonders aufnahmefähig: Lernblockierungen entfallen, das Unterbewusstsein erhöht die Aufnahme für neue Informationen. Die linke Gehirnhälfte ist dabei für logisches, analytisches Denken verantwortlich, die rechte Hälfte wiederum für Kreation, Intuition, Träume, Bilder, Phantasien.

Thetawellen werden mit einer Frequenz von 4-7 Hz bezeichnet. Es sind die Wellen des Unterbewusstseins, wo besonders Träume oder kreative Erfahrungen gebildet werden. Hier befinden sich unbewusste bzw. unterdrückte seelische Anteile, Kreativität und Spiritualität. Thetawellen bleiben unbewusst, werden sie mit Alphawellen kombiniert, sind sie bewusst wahrnehmbar und man kann sich an die damit verbundenen Informationen erinnern.

Am Beispiel der Gehirnwellen wird deutlich, welche Wirkungsmöglichkeiten die Übungen des Qigong und Taijiquan haben und wie sie ausgerichtet sind. Auf der körperlichen Ebene wird die funktionelle Regulation aller Systeme unterstützt; auf der geistigen Ebene des Wachbewusstseins („Verstand“, „Willen“, „Absicht“) wird Erholung, Ausgleich und Entwicklung gefördert. Schließlich werden tiefgreifende Prozesse des Erkennens, des Verstehens und des Veränderns auf der Ebene des Unterbewusstseins ermöglicht, wobei die „meditative“ Komponente der Übungen eine besonders wichtige Rolle einnimmt.

Qigong und Taijiquan wirken auf den Ebenen Körper, Geist und Seele, die sich gegenseitig bedingen und untrennbar miteinander verbunden sind.

Der Charakter der ganzheitlichen Übung wird klar verständlich und erfahrbar, wenn man sich individuell, bewusst und aufmerksam mit der traditionellen Methodik auf der Grundlage der Theorie und Philosophie dieser Künste beschäftigt.